Der Schuldige
Daniel Hunter übernimmt die Verteidigung des elfjährigen Sebastian, dem vorgeworfen wird, einen Nachbarsjungen mit einem Ziegelstein tödlich verletzt zu haben. Doch der junge Anwalt glaubt dem Jungen, der offenbar aus wohlhabenden, aber lieblosen
Verhältnissen stammt. Sein Vater scheint gegen die Mutter gewalttätig zu werden. Hunter hat aufgrund seiner Kindheit Verständnis für Seb, der seiner Meinung nach dringend Hilfe braucht. Als Kind einer drogensüchtigen Mutter kam Hunter elfjährig bei einer liebevoll-robusten Pflegemutter unter. Minnie verhinderte sein Abdriften und lehrte ihn, an sich selber zu glauben. Über Details aus der Prozessvorbereitung erinnert sich Hunter immer wieder an die entscheidenden Szenen seiner Kindheit und beleuchtet sie neu aus der Distanz der Jahre. Das Buch gipfelt in den dramatischen Szenen der Gerichtsverhandlung in Old Baileys. - Das Buch zeigt die Eigenarten des britischen Rechtswesens, besonders des Jugendstrafrechts, detailliert; sein thematischer Kern ist aber die Frage, wie von ihrer Lebenssituation total überforderte Kinder durch die Hilfe und Unterstützung Dritter diese dennoch meistern. Der Autorin ist mit ihrem ersten Roman ein erschütternder Blick in das Seelenleben von Kindern aus schwierigen sozialen Verhältnissen gelungen. (Übers.: Benjamin Schwarz)
Pauline Lindner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Der Schuldige
Lisa Ballantyne
btb (2014)
474 S.
fest geb.