Ein wildes Herz
Als Charlie in Brownsburg ankommt, hat er nur zwei Koffer und starke Hoffnung, hier ein erfolgreiches Leben zu führen. Tatsächlich findet er, der von allen Mitbewohnern der Kleinstadt zunächst argwöhnisch beobachtet wird, beim Metzger eine Arbeit
und entwickelt sich zunehmend zum Freund der Familie - v.a. vom Sohn Sam, der ihm bald nicht mehr von der Seite weicht. So ist es auch Sam, der früh von der Affäre zwischen Charlie und Sylvan, der Frau des reichsten Bürgers der Stadt und selbst eine Fremde, erfährt. Ein dummer Unfall lässt ausgerechnet an Sams sechsten Geburtstag alles auffliegen und das bittere Schicksal nimmt seinen grausamen Lauf ... - Erzählt als Rückblick, entfaltet Goolrick erstaunlich nüchtern, aber doch tief bewegend, die tragische Geschichte der beiden Liebenden und Fremden, die in ihrer Isolation - Charlie als Fremder, Sylvan als "Präsentierstück" des reichen Mannes - zusammenfinden. Ehebruch wird hier ebenso thematisiert wie Armut und Rassentrennung, die das Leben in der Kleinstadt der 50er Jahre prägen. Der melancholische, leise Ton wirkt eher distanziert und überlegt, was sich gegen Ende jedoch ändert und der Geschichte einen dichtgeladenen, spannenden Showdown beschert. (Übers.: Judith Schwaab)
Sonja Schmid
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Ein wildes Herz
Robert Goolrick
btb (2012)
349 S.
fest geb.