Der Spielzeug-Sammler
In der Titelgeschichte jagt ein monomanischer Sammler einer historischen Spielzeugeisenbahn nach, von deren unglaublichem Wert er überzeugt ist. Ein Pfarrer in Queens besitzt das Spielzeug, nichts ahnend von dessen Wert. Man muss sich als Leser:in
zwar durch einen Wust an amerikanischen Railway-Details arbeiten, um dann den grandiosen Humor in den abschweifenden Girlanden des Ich-Erzählers zu entdecken. – Vier locker verbundene Stories erzählen von einer Schüler-Band in einer schwarzen Nachbarschaft in Pennsylvania, unter deren Probenraum in einem chinesischen Restaurant ein Einbrecher erschossen wird; es geht um Rassismus und Armut. Die letzte Geschichte wird von einem Löwen im Zoo erzählt. Die Tiere dort unterhalten sich durch Gedankensprache und verraten so ihre Sicht auf die für sie unlogisch agierenden Menschen. Als sich herausstellt, dass sich einer der Zoowärter mit ihnen telepathisch unterhalten kann, akzeptieren sie ihn nach einer Weile, und es entspinnt sich eine warmherzige Geschichte über metaphysische Dinge. – Der Autor James McBride ist Journalist, Musiker und Drehbuchautor. Seine zehn hier versammelten Erzählungen sind sehr unterschiedlich. Sie zeichnen ein Feingefühl für ihre Figuren aus, die, menschlich oder nicht, sehr real erscheinen.
Karin Blank
rezensiert für den Borromäusverein.
Der Spielzeug-Sammler
James McBride ; aus dem Amerikanischen von Werner Löcher-Lawrence
btb (2023)
315 Seiten
fest geb.