Der letzte Grieche
Jannis Georgiadis stammt aus einem nordgriechischen Dorf nahe der bulgarischen Grenze. Hier landete seine Familie 1923 auf der Flucht vor den Türken aus Smyrna, von hier aus wird er in den sechziger Jahren nach Schweden auswandern und dort eine neue,
allerdings nicht wirklich geradlinige Existenz aufbauen. Und er wird sich erinnern, immer wieder, und sein Leben wird auf Karteikarten niedergeschrieben werden von einem Freund, ungeordnet. Episoden der Familiengeschichte werden aufblitzen, bedeutsame Menschen vorüberziehen, kleine und große Katastrophen seines Lebenslaufes kommentiert. Und eines wird er immer bleiben, zuerst und zuletzt: ein Grieche. Aris Fioretos, griechisch-österreichischer Herkunft mit Wohnsitz in Schweden, hat einen äußerst geschickt verschachtelten Roman konzipiert. Gleich zwei Quellen gibt er an, die der Information über den unsteten Helden dienen, und führt so seine Leser immer tiefer hinein in eine fiktive Biografie, die dennoch viel über die Migrationsbewegungen des 20. Jh. offenbart. Chronologie sucht man vergebens, der kluge und elegante Erzählstil Fioretos entschädigt und fesselt dafür umso mehr. Für ausgebaute Bestände ein Gewinn! (Übers.: Paul Berf)
Beate Mainka
rezensiert für den Borromäusverein.
Der letzte Grieche
Aris Fioretos
Hanser (2011)
415 S.