Hilfe fürs Unkraut

Im deutschsprachigen Raum sind die Gedichte des in Fribourg lebenden Schriftstellers Frédéric Wandelère (geb. 1949) bislang vollkommen unbekannt. Zwei der derzeit renommiertesten Übersetzer aus der französischen Sprache haben jetzt eine Auswahl Hilfe fürs Unkraut aus den bislang insgesamt sechs Gedichtbänden des Autors zusammengestellt. Dass man sich für die Lektüre eines jeden guten Gedichts Zeit und Konzentration nehmen sollte, gilt bei diesen Gedichten von Wandelère ganz besonders. Sie scheinen auf den ersten Blick sehr unbedeutenden kleinen Tieren, Pflanzen, Alltagserfahrungen gewidmet zu sein (etwa einem Rinnsal, einer Motte, Heuschrecken, Meisen und Sperlingen, Teestunde). Liest man diese Gedichte aber häufiger und intensiver, öffnen sie sich dem Leser wie eine Blüte unter dem Sonnenlicht. "Leichter denn je/ sie, die ohnehin/ nichts wog, öffnete/ nicht einmal ihre Tür/ den Besuchern, seit/ so langer Zeit fort/ von dieser Erde, die sie/ kaum noch berührte"// (Fort mit dem Wind, in memoriam Yvonne Guggenheim). Viele Gedichte, so zitieren die Übersetzer in ihrem Nachwort den Dichter, "warten für Jahre in der Ungewissheit, im Unvollkommenen und im Unvollendeten." Gehetzt und stranguliert von einer Zeit, in der nur Schnelligkeit, der Erfolg, ein in Umsatzzahlen ablesbarer Gewinn zählt, scheinen die Gedichte von Wandelère vollkommen antiquiert. Aber für jeden Freund der Lyrik, das heißt des verantwortlichen und meditierenden Umgangs mit dem Wort, vermitteln diese Gedichte ein einzige große Entdeckerfreude. Gedichte, wie es im Vorwort heißt, die nichts anderes wollen, als zu verzaubern. (Übers.: Elisabeth Edl, Wolfgang Matz )

Carl Wilhelm Macke

Carl Wilhelm Macke

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Hilfe fürs Unkraut

Hilfe fürs Unkraut

Frédéric Wandelère
Hanser (2012)

Edition Lyrik Kabinett ; 22
139 S.
fest geb.

MedienNr.: 359536
ISBN 978-3-446-23868-8
9783446238688
ca. 14,90 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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