Das Herz der Puppe
Nina ist ziemlich einsam, seit ihre Eltern mit ihr in eine Gegend gezogen sind, in der keine Kinder wohnen. Umso beglückender ist für sie der Fund einer alten Puppe auf einem Flohmarkt, denn diese Puppe - Widu nennt Nina sie - ist etwas ganz Besonderes.
Sie kann sprechen und ihre Spezialität ist es, Ängste im wahrsten Sinne des Wortes zu verspeisen. Immer enger wird das Verhältnis der beiden und Widu bekommt ganz merkwürdige Gefühle, die für Puppen eigentlich ungewöhnlich sind, denn Puppen haben kein Herz. - Bei Rafik Schami erwartet man eigentlich ein rundum gelungenes Buch, denn er ist ein begnadeter Erzähler. Sein neues Kinderbuch lässt allerdings einige Wünsche offen. Das liegt nicht nur daran, dass die innige Freundschaft zwischen dem Mädchen und der Puppe entwicklungsmäßig nicht stimmig ist, denn Nina geht in die vierte Klasse, da ist es mit dem Puppenspielen eigentlich vorbei. Auch die mitunter willkürliche, den Erzählfluss unterbrechende Einbettung kleiner Geschichten - eigentlich Schamis große Meisterschaft - wirkt störend. Erst gegen Ende des Buches bekommt die Geschichte den notwendigen Schwung, es bleibt zu wünschen, dass die Leser bis dahin durchgehalten haben. Für einen so Großen ist dieser Titel eher enttäuschend, aber mit Nachfrage ist zu rechnen, zumal die Ausstattung gelungen ist.
Beate Mainka
rezensiert für den Borromäusverein.
Das Herz der Puppe
Rafik Schami. Mit Bildern von Kathrin Schärer
Hanser (2012)
183 S. : zahlr. Ill.
fest geb.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 10