Der schöne Gast
Die Erzählerin, eine vom Leben enttäuschte Tochter eines Botanikers, zieht sich auf ihr geerbtes Landgut am Gardasee zurück. Wie schon zuvor ihr Vater, widmet sie sich tagsüber den Gärten und Tieren ihres Anwesens und abends den Büchern ihrer
imposanten Bibliothek. Alles Schöne zieht sie magisch an, alles Technische lehnt sie ab. Umsorgt wird sie von dem Inder Nanda, der schon bei ihren verstorbenen Eltern angestellt war. Mit dem leicht heruntergekommen wirkenden angeblichen Architekten Lapo Schifanebbia führt sie geistreiche Gespräche über Kunst und Literatur. Eines Tages bricht ein schöner und junger Kroate in diese Idylle ein. Die Erzählerin verliebt sich in den angeblichen Schriftsteller oder vielmehr in seine Schönheit. Doch die äußere Schönheit steht in krassem Gegensatz zu seinem egozentrischen Wesen, seinen Wutausbrüchen und Hasstiraden. Eine Zeit des ständigen emotionalen Aufs und Abs beginnt. Nur einer scheint zu erkennen, dass der Gast ein Hochstapler ist und dass keine wahre Liebe zwischen den beiden existiert. Schließlich kommt es zu einer Tragödie. - Anna Katharina Fröhlich legt ein sprachliches Meisterwerk voller Metaphern und Anspielungen aus Kunst und Literatur vor. Gekonnt schafft sie eine spannungsgeladene Atmosphäre von Weltabgewandtheit und Dekadenz, Pessimismus und damit einhergehender Flucht in ein ästhetisierendes Leben, in der eine hoffnungslose Liebesgeschichte stattfindet. Dennoch ist dieses kunstvolle Werk voller schöner Menschen und Dinge nicht durchweg pessimistisch. Immer wieder finden sich humorvolle und ironische Einwürfe, die den Leser die nötige Distanz wiedererlangen lassen. Sehr empfehlenswert.
Birgit Fromme
rezensiert für den Borromäusverein.
Der schöne Gast
Anna-Katharina Fröhlich
Hanser Berlin (2014)
238 S.
fest geb.