Dampfschiff nach Argentinien
Als 1989 die Mauer fällt, tritt der Erzähler eine Reise in den Westen an. In Paris lernt er den noch im Kaiserreich geborenen weltberühmten Architekten Alexandre Vosco kennen. Jahrzehnte später kommt es zufällig zu einem Treffen mit Voscos Neffen
Pierre in München. Diese beiden Begegnungen ziehen den Erzähler in den Bann der Lebensgeschichte des Architekten. Vor allem das Zusammentreffen Voscos mit seinem Jugendfreund Wladimir Grawe auf einem Auswandererschiff nach Argentinien nach dem Zweiten Weltkrieg spielt dabei eine zentrale Rolle. - Makushinsky lässt in diesem Buch Ausschnitte der jüngeren europäischen Geschichte aus dem Blickwinkel russischer Auswanderer Revue passieren. Die Familien- und Lebensgeschichten verschmelzen dabei zu einem Vexierbild der politischen und sozialen Verhältnisse des 20. Jahrhunderts. Die Glaubwürdigkeit der geschilderten Ereignisse und Personen ist derart ausgeprägt, dass die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen. Ein Buch, das seine Kraft nicht zuletzt aus der außerordentlichen Beobachtungsgabe des Autors bezieht. Ab mittleren Beständen sehr empfohlen. (Übers.: Annelore Nitschke)
Walter Brunhuber
rezensiert für den Borromäusverein.
Dampfschiff nach Argentinien
Alexei Makushinsky
Hanser (2016)
345 S.
fest geb.