Zuhause ist das Wetter unzuverlässig
Die Protagonistin dieses Romans will ihr Leben beenden. Sie gibt sich noch ein halbes Jahr und zieht dafür in den Süden. Danach soll Schluss sein. In Tagebuchform begleiten die Lesenden ihre letzten Lebensmonate. Unterbrochen werden diese Textteile
immer wieder von Prosatexten mit Er-Erzähler, die zunächst in keiner Verbindung zum Leben der Tagebuchschreiberin zu stehen scheinen. Es werden abwechselnd die Frauen aus zwei verschiedenen Familien begleitet. Gegen Ende finden sich die drei Erzählstränge mehr und mehr zu einem Gesamtbild zusammen, wobei jeder Strang seine eigene Tiefe und Tragik birgt. Vereint werden die verschiedenen Teile des Buches durch die Themen, die behandelt werden: die Rolle als Frau, Mutter und Tochter in der Gesellschaft oder auch ganz allgemein das Leben und Sterben als Frau. Passend dazu kommt in dem Roman eine Vielzahl von Frauen aus völlig unterschiedlichen Generationen und Lebensumständen zu Wort, aber kein einziger Mann. Deren Verhalten mag an mancher Stelle zunächst unverständlich wirken, wird aber stets durch deren Introspektion erklärbar, wenn auch nicht immer entschuldbar. Insgesamt gibt der Roman verschiedensten Frauen eine Stimme und erzählt gleichzeitig eine packende Geschichte. Zusätzlich zur inhaltlichen Ebene besticht das Buch mit einer poetischen und gleichzeitig schonungslos ehrlichen Sprache und ist deshalb für ein breites Publikum zu empfehlen.
Agnes Schmidtner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Zuhause ist das Wetter unzuverlässig
Carolin Würfel
Hanser Berlin (2025)
212 Seiten
fest geb.