Der Sommer, in dem der Blitz mich traf
Bestsellerautorin Lauren Wolk kehrt mit dieser Geschichte in die Welt von Wolf Hollow aus dem Roman „Das Jahr, in dem ich Lügen lernte“ (BP/mp 17/517) zur Zeit des Zweiten Weltkrieges zurück. Allmählich beruhigt sich der Ort nach den tragischen
Ereignissen, die von der Tyrannin Betty in Gang gesetzt wurden und zwei Menschenleben forderten. Annabelle wird auf dem Heimweg von einem Blitz getroffen und überlebt dank schneller Wiederbelebungsmaßnahmen. Wer sie mit der Herzmassage zurück ins Leben holte, ist ein Geheimnis dieses Romanes, der zeigt, wie wir die Welt sehen, ist es manchmal nicht. Und genau das ist das Thema dieses kraftvollen, poetischen Romans. Der Blitz hat Annabelles Sinne extrem geschärft. Gerüche, Geräusche und das Wahrnehmen von Gefühlen bei Menschen und Tieren machen sie aufmerksamer als je zuvor. Diese temporäre Gabe erweist sich als nützlich beim Auffinden der vermissten Hunde. Vordergründig geht es um diese Hunde und deren Qual, doch im Mittelpunkt steht die Ich-Erzählerin Annabelle und ihre ersten Schritte ins Erwachsenwerden. Die Ereignisse dieses Sommers verändern für sie einige Gewissheiten über Menschen, über Tiere und über sich selbst und bereiten den Weg, dem vermeintlich unheilvollen Andy neu zu begegnen. Wolk wirft dabei Fragen zu unserer Fähigkeit zu vergeben auf. Wie wir unsere Urteile über Menschen und Beziehungen fällen, wie wir über Gerechtigkeit und über uns selbst nachdenken. – Tiefgründig, bewegend und lange im Gedächtnis bleibend.
Manuela Hantschel
rezensiert für den Borromäusverein.
Der Sommer, in dem der Blitz mich traf
Lauren Wolk ; aus dem Englischen von Birgitt Kollmann
Hanser (2025)
303 Seiten : Illustrationen
fest geb.