Zwischen zwei Leben
Jenny Hill steht mit zwei Koffern auf dem Gehsteig und wartet auf ein Taxi. Sie verlässt ihren Mann, der sie seit Jahren betrügt, und ihr großes Haus, das nach dem Auszug der beiden erwachsenen Kinder sehr still geworden ist. Sie wagt einen Neuanfang,
der ihr einerseits schwerfällt, ihr aber zugleich neue Perspektiven eröffnet. Jenny, die sich immer als langweilig, banal und nicht gut genug befunden hat, lernt nach und nach, sich zu akzeptieren, auf eigenen Beinen zu stehen und das Leben nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten. Beobachtet wird sie dabei von den "Ajattaras", einer Gruppe weiblicher Märchenfiguren, die Jennys Tun kommentieren und ihre eigenen Geschichten erzählen. Diese unterscheiden sich radikal von den tradierten Narrativen und zeigen schonungslos die Problematik von psychischer und physischer Gewalt, von Diskriminierung und Unterdrückung. "Zwischen zwei Leben" ist ein kluger und beachtenswerter Roman über die Erwartungen und Ansprüche, die an Mädchen, Töchter, Schwestern, Freundinnen, Mütter, Kolleginnen und Partnerinnen gestellt werden. Für alle Bestände gerne empfohlen.
Gertrud Plennert
rezensiert für den Borromäusverein.
Zwischen zwei Leben
Minna Rytisalo ; aus dem Finnischen von Maximilian Murmann
Hanser (2025)
269 Seiten
fest geb.