Das Ende ist nur ein Anfang

T. C. Boyle erzählt vom ganz normalen Wahnsinn in einer zunehmend brüchigen Welt. Da gerät etwa ein Ehepaar während eines ungewöhnlichen Kälteeinbruchs im Sommer auf seinem abgelegenen Anwesen völlig ins Abseits: kein Strom, kein Telefon, kein Das Ende ist nur ein Anfang Internet, das Elektroauto funktioniert nicht und der unfreundliche Nachbar verweigert jede Hilfe. In einer anderen Geschichte verarbeitet ein Filmemacher den Hitzetod einer Familie bei einer Wanderung zu einem Film – allerdings mit Happy End. Eine weitere Geschichte führt ins Jahr 2036, in ein autoritär regiertes Amerika unter Trump, in dem politische Gegner denunziert und in Umerziehungslager gesteckt werden. – Im neuen Erzählband von T. C. Boyle stehen die täglichen Konflikte der amerikanischen Gesellschaft und die Verdorbenheit der Welt im Vordergrund. Klimakrise, Umweltzerstörung, Pandemie, durchgeknallte MAGA-Anhänger, soziale Abstürze und fragile Alltagsordnungen: Boyle greift die Konflikte und Ängste unserer Gegenwart auf und führt sie in oft grotesken und verstörenden Szenarien weiter. Seine Geschichten sind von beißender Ironie, psychologisch präzise und atmosphärisch dicht. Häufig enden sie abrupt und lassen den Leser mit einem Gefühl der Verunsicherung zurück. Boyle zeigt eine Welt, in der die vermeintliche Ordnung jederzeit zusammenbrechen kann – und erinnert zugleich daran, dass der Mensch Teil der Natur ist und sich ihrer Macht nicht entziehen kann. Ein hochaktueller, gesellschaftskritischer Erzählband, der zum Nachdenken anregt und allen Büchereien sehr zu empfehlen ist.

Günther Freund

Günther Freund

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Das Ende ist nur ein Anfang

Das Ende ist nur ein Anfang

T. Coraghessan Boyle ; aus dem Englischen von Dirk van Gunsteren
Hanser (2026)

236 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 625787
ISBN 978-3-446-28839-3
9783446288393
ca. 25,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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