Höcke
Aufbauend auf akribischen Recherchen, breit gefächert in seiner Präsentation und überzeugend in seiner Bewertung und seinen Schlussfolgerungen, gelingt dem Journalisten Frederik Schindler ein chronologisch ablaufendes, detailliert durchleuchtetes
Bild dieses Rechtsextremisten, das auch als Warnung vor einem Politiker gesehen werden muss, der das politische System Deutschlands nachhaltig verändern und teilweise zerstören will. Aufgrund von verifizierten Gesprächen mit Leuten aus Höckes Umfeld – ehemalige Schüler und Kollegen, Parteifreunde und interne Kritiker – wird überdeutlich, dass sich Höcke nicht durch die Partei radikalisiert hat, sondern dass durch sein Auftreten, seine Sprache, seine geschichtsrevisionistische Sichtweise die ehemals nicht extrem rechts angesiedelte Anti-Euro-Partei zu einer vom Bundesamt für Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuften politischen Kraft wurde. Doch worin fußt Höckes Geschichtsverständnis und welche strategischen Methoden wendet er an? Sein Elternhaus und die ihm dort vermittelten Werte waren geprägt von der Vertreibung aus Ostpreußen und der rechten Gesinnung seines Vaters. Höcke wird Lehrer (Sport und Geschichte), ist beliebt bei den Schülern, von seinen Kollegen wegen seiner Vorliebe für preußische Prinzipien und pseudophilosophische Statements zunehmend kritisch gesehen. Als AfD-Fraktions- und Parteivorsitzender Thüringens absolviert er zahlreiche Auftritte quer durch die Republik (u.a. berüchtigte Dresdner Rede), die von Angriffen auf politische Gegner und das freiheitlich-demokratische System der BRD bestimmt sind und ein an den Nationalsozialismus angelehntes, teils verbotenes Vokabular benutzen. Ausschaltung der Konkurrenz, Intrigen und gezielt aufgebaute Netzwerke ermöglichen es Höcke, die AfD nach seinen rechtsextremistischen Vorgaben zu formen. – Unbedingt lesenswert!
Inge Hagen
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Höcke
Frederik Schindler
Herder (2025)
271 Seiten
kt.