Auf Schatzsuche
Aufgrund zahlreicher Quellen vom Mittelalter bis heute (u.a. Geschichtsschreibung, Literatur, Prozessakten, Medienberichte) beschreibt und entzaubert der Historiker J. Dillinger die Geschichte der Suche nach Schätzen. Wissenschaftlich fundiert, spannend
und unterhaltsam führt der Autor durch die einzelnen Epochen und erklärt die unterschiedlichen Vorstellungen, mit denen die Schatzsuche im Rechtswesen (Eigentumsrechte), in der Theologie (Reliquiensuche, Magie) und in der Archäologie (u.a. Denkmalschutz) begründet wurden. Sorgfältig und kritisch durchleuchtet er das wechselnde Interesse, die teils abenteuerliche Vorgehensweise und die meist gewinnorientierte Handhabung, die - entsprechend der jeweiligen Zeit - von verschiedenen gesellschaftlichen Gruppierungen getragen wurden. Als Belege nennt Dillinger nicht nur bloße Fakten, sondern schildert an vielen älteren und jüngeren Beispielen (z.B. Nibelungenlied, Grab Karls d. Gr., Silberschatz des James Bowie, Schatzinsel von Kapitän Kidd), wie verbissen, grotesk, finanziell und technisch aufwendig die Suche nach verborgenen Schätzen bis heute (u.a. Rheingold, NS-Schatz im Toplitzsee) betrieben wird. - Für kulturgeschichtlich interessierte Leser/innen sehr zu empfehlen!
Inge Hagen
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Auf Schatzsuche
Johannes Dillinger
Herder (2011)
239, [16] S. : Ill. (überw. farb.)
fest geb.