Die katholische Kirche im Dritten Reich
War Pius XII. "Hitlers Papst", wie der britische Journalist John Cornwell meint? Zuspitzungen dieser Art haben in den letzten Jahren die öffentliche Diskussion des Themas katholische Kirche im Dritten Reich bestimmt. Diese Einführung - verantwortet
von der katholischen "Kommission für Zeitgeschichte" - zeichnet demgegenüber ein differenziertes Bild von der katholischen Kirche im Dritten Reich. Namhafte Historiker, die sich intensiv mit dem Thema beschäftigen, haben Beiträge beigesteuert, darunter die Altmeister Heinz Hürten und Rudolf Morsey sowie jüngere Historiker wie Thomas Brechenmacher und Wilhelm Damberg. Sie behandeln das Thema in zehn kurzen und informativen Beiträgen (u.a. "Der Aufstieg des Nationalsozialismus und die katholische Kirche", "Die deutschen Bischöfe 1933-1945", "Kriegsdeutung und Kriegserfahrung 1939 - 1945", "Pius XII. und die Juden"). Statt die Haltung der katholischen Kirche zu verteidigen oder zu verharmlosen, finden die Autoren klare Worte z.B. zum Verhältnis zu den Juden oder zur Haltung der deutschen Bischöfe, die aus heutiger Sicht zu wenig politisch entschieden wirke. Darüber hinaus gehen sie auch den Gründen für dieses Verhalten nach und rücken es gegenüber den eingangs genannten Zuspitzungen ins rechte Licht. Dem selbst gesteckten Ziel, "die wesentlichen Sachverhalte zu den zentralen Fragekomplexen knapp und kompakt" zu präsentieren und verständlich zu vermitteln, werden die Autoren weitgehend gerecht. Lesbar und informativ für zeit- und kirchengeschichtlich interessierte Leser, ab mittleren Beständen sollte der Titel in KÖBs zur Grundausstattung gehören.
Christoph Holzapfel
rezensiert für den Borromäusverein.
Die katholische Kirche im Dritten Reich
Christoph Kösters ... (Hg.)
Herder (2011)
220 S. : Ill.
fest geb.