Leben ohne Armut
Seit fast vierzig Jahren lebt Martin Kämpchen nun in Indien und seit 1980 abseits der großen Metropolen in Santiniketan. Sein Buch über Arme und Armut in diesem riesigen Land kann deshalb aus einem reichen Schatz an Erfahrungen schöpfen. Kenntnisreich
schildert er die Mechanismen der Armut und ihre fatalen Auswirkungen auf die materielle und psychische Situation der Betroffenen. Armut in Indien macht nicht nur in einem erschreckenden Maße abhängig, sie untergräbt auch durch mangelhafte Bildung und fehlendes Selbstwertgefühl den Mut und die Eigeninitiative der Menschen. Dabei können selbst Traditionen, die einen Grundstock an Sicherheit liefern, Fortschritte bremsen und zunichte machen. Hier, bei der Förderung jedes Einzelnen, so Kämpchen, muss die Hilfe ansetzen, die allerdings nicht in erster Linie von außen, sondern aus der indischen Gesellschaft selbst kommen muss. Die persönlichen Schicksale, die Kämpchen aufgreift, geben dem Buch eine menschliche Dimension, die jeden Leser berühren muss.
Walter Brunhuber
rezensiert für den Borromäusverein.
Leben ohne Armut
Martin Kämpchen
Herder (2011)
197 S. : Ill.
fest geb.