Und führe uns in der Versuchung
Wer handelt, wird mit Versuchungen konfrontiert. Handeln können, verantwortlich sein können, heißt nicht umsonst auch: schuldfähig sein. Zwar bitten Katholiken in jeder Messe "und führe uns nicht in Versuchung", doch kennt jeder Mensch Situationen
von Schuld, Verfehlung und Destruktivität. Nicht nur Versuchungsvermeidung, sondern -überwindung tut deswegen not. Dass Gott auch dafür angerufen werden kann, macht schon der Titel dieses schmalen, aber gehaltvollen Bandes klar: "Und führe uns in der Versuchung." Er führt die traditionellen sieben "Todsünden", die Grundversuchungen des Menschen auf und erläutert ihre aktuellen Erscheinungsformen. Das hat nichts mit Drohbotschaft, aber viel mit Realismus zu tun. Jedes Kapitel wird von einem Abschnitt eines Paulusbriefs eingeleitet, der den Gegenentwurf zur jeweiligen Versuchung praktisch formuliert. Die Erläuterung dieser jeweiligen Textstelle gibt der Beschäftigung mit dem Destruktiven einen Fokus hin zur menschenfreundlichen Lebenszusage Gottes. Der Bischof von Osnabrück hat mit diesem Titel ein kluges, gut verständliches und mit genauem Blick auf die Gegenwart verfasstes Buch vorgelegt, dem eine breite Leserschaft zu wünschen ist.
Annette Jantzen
rezensiert für den Borromäusverein.
Und führe uns in der Versuchung
Franz-Josef Bode
Herder (2012)
100 S.
fest geb.