Kirche, Krieg und Katholiken
Die in diesem Buch zusammengestellten Vorträge namhafter Historiker und Theologen erörtern aus unterschiedlichen Perspektiven das im 20. Jh. herausragende Phänomen "Krieg" und die damit verbundene Rolle der Kirche. Sie analysieren neben Forschungsergebnissen,
der sich stets verändernden Erinnerungskultur, der zwischen Theologie und Geschichtswissenschaft kontrovers geführten Aufarbeitung vor allem die Haltung der katholischen Kirche während des Ersten Weltkriegs, in den totalitären Regimen Spaniens, Italiens und Deutschlands und die daraus resultierende Schuldfrage. Trotz des weitgefächerten Themas stimmen alle Autoren darin überein, dass in der Sinnfrage und Bewertung von Krieg - vom "Heiligen Krieg" über den ideologisch und rassistisch begründeten Vernichtungskrieg hin zu weltweiter Friedens- und Versöhnungsarbeit - gerade auf kirchlicher Seite ein grundlegender Paradigmenwechsel stattgefunden hat. Wissenschaftlich fundiert, gut lesbar und anschaulich an konkreten Personen festgemacht kann der Leser diesen Wandel nachvollziehen. Sei es am Beispiel des Zentrumsabgeordneten M. Erzberger, der begeistert und von der religiösen Rechtfertigung des Ersten Weltkriegs überzeugt, letztlich zum Anwalt für Frieden und Demokratie wurde, oder die heute objektivere Beurteilung des "Stellvertreters" Pius XII., dessen kompromissloser Einsatz für Verfolgte gleich welcher Religion und Nation eben so wie sein zu leiser Protest gegen den Völkermord an den Juden genannt wird. - Sehr interessant, gibt detaillierte Einblicke! Sollte in keiner Bücherei fehlen!
Inge Hagen
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Kirche, Krieg und Katholiken
Karl-Joseph Hummel ; Christoph Kösters (Hrsg.)
Herder (2014)
175 S.
fest geb.