Herzkammern
Breisgau und Hochschwarzwald stehen gleichbedeutend neben den literarischen Ballungszentren Heidelberg, Tübingen oder Weimar. Für prominente und nicht so bekannte Dichterinnen und Dichter bot der Schwarzwald Rückzugs- und Erholungsmöglichkeiten,
Liebe und Geborgenheit und inspirierte sie. Für die Grande Dame der deutschen Nachkriegsliteratur Marie Luise Kaschnitz z.B. ist das Dorf Bollschweil „Herzkammer der Heimat“ (darauf spielt der Buchtitel an) und damit in der Literaturgeschichte verewigt. Johann Peter Hebel, der „literarische Patron ganz Badens“, dichtet in „Die Vergänglichkeit“ über die Unbeständigkeit alles Seienden. Vladimir Nabokov erinnern die Schwarzwaldtannen an seine ferne Heimat. Peter Huchel fand hier, nachdem er die Überwachung und Isolation in der DDR hinter sich lassen konnte, eine „Notherberge“. Anton Tschechow kurte in Badenweiler. Wunderschöne sprachliche Anspielungen auf den Schwarzwald finden sich beim ägyptischen Lyriker Girgis Shoukry (2005): „In der Kirche betete Christus. Er war auch aus Holz“ oder „Am Abend saß der Bauer zu Hause an seinem Tisch, / rauchte erneut und grübelte. / Er hörte den Baum. / Ein wunderbarer Tisch aus Holz schien zu weinen.“ – Ergänzt und erweitert werden die von Thomas Schmidt (Deutsches Literaturarchiv Marbach) und Felix Schiller (Netzwerk Lyrik) zusammengestellten Beiträge durch eine digitale Literaturkarte. Ein anregender Literaturreiseführer durch Breisgau und Schwarzwald, insbesondere Büchereien in Baden-Württemberg zu empfehlen.
Berthold Schäffner
rezensiert für den Borromäusverein.
Herzkammern
Thomas Schmidt / Felix Schiller [Hg.]
Herder (2025)
293 Seiten : Illustrationen (überwiegend farbig), Karten
fest geb.