Alte Formeln – lebendiger Glaube
Dies ist ein komplexes, ja kompliziertes philosophisch-theologisches "Lehrwerk" und im Kern doch ein individueller, einsichtiger Deutungsversuch unseres ältesten christlichen Glaubensbekenntnisses. Ersteres, da es sich gedanklich wie sprachlich auf
einem höchst intellektuellen Niveau bewegt – zweiteres, da es schlüssig konzipiert wie strukturiert ist, allerdings doppelt gefächert: Reichhaltige Vor- und Nachworte zur Erläuterung und die. eig. Interpretation des Autors (Prof. für Fundamentaltheologie in Freiburg). Der thematisch dreifache Schritt: Schöpfung – Inkarnation – Zukunft (entsprechend dem trinitarischen Aufbau des einfacheren, sog. ´apostolischen Bekenntnisses" aus den Taufformeln der frühen Kirche) ist eingebettet in eine intensive doppelte Auseinandersetzung mit dem Hintergrund und der Geschichte des Credos unter dem Aspekt der kritischen Theologen seit den Kirchenvätern, Augustinus bis zu Thomas, Kant, Nietzsche – ein besonderes Gewicht liegt auf der gegenwärtige Diskussion über Weltbild, Aussagekraft und Wert der alten Dogmen. Äußerer Anlass ist ja das Jubiläum "1700 Jahre Nikaia", wo 300 Bischöfe mit Kaiser Konstantin in hartem Ringen die "nizänisch-konstantinopolitanische" Glaubenssatzung fixiert haben. Dies sog. Große Credo bot immer auch Grund zu Neuauslegung und scharfer Kritik – Schlüsselfigur dabei ist für den produktiven Professor ein em. Kollege, der katholische Skeptiker Hans Blumenberg. Umrahmt wird diese Interpretation durch ausführliche Einleitungen (Absichtserklärung, Deutungsalternativen samt Lesehilfen) und – statt wiss. Fußnoten – sog. Endnoten mit intensiver Würdigung und variablen Verständnishilfen zu allen Quellentexten. – Eine anstrengende, hochgelehrte Argumentation für theologisch Vorgebildete.
Harald Grimm
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Alte Formeln – lebendiger Glaube
Magnus Striet
Herder (2024)
175 Seiten
fest geb.