Sorry Tarzan, ich rette mich selbst!
In Film und Fernsehen leben noch stärker als in anderen gesellschaftlichen Bereichen patriarchalische Strukturen und Klischees fort. Dies ist um so tragischer, als dass Filme und Fernsehsendungen durch ihre Inhalte diese Klischees wieder in die sie
konsumierende Gesellschaft tragen und dadurch weiter ihrer Auflösung entgegenwirken. Die erfahrene Schauspielerin Cukrowki führt dies detailliert aus: auch in jüngeren Kinderfilmen sind die Held:innen stereotyp besetzt, Frauen müssen Idealmaße vorweisen und werden viel stärker nach ihrem Äußeren beurteilt, werden immer noch schlechter bezahlt und die #meetoo-Bewegung hat auch hierzulande nicht den sexualisierten Machtmissbrauch beendet. Frauen auf dem Bildschirm oder der Leinwand haben selten erfolgreiche Berufe und verschwinden mit der Menopause, um höchstens als Omi wieder aufzutauchen. Cukrowski hält dagegen: Gemeinsam mit ihrer Kollegin Silke Burmester rief sie beispielsweise "Let´s change the picture" ins Leben, mit dem Ziel, auch Frauen über 45 im Film sichtbar zu machen, und engagiert sich auch außerhalb der Schauspielszene, beispielsweise in einem Projekt für Menstruationstassen für Afrikanerinnen. Eine Klischeekistenliste am Ende des Buches fasst den Inhalt ganz gut zusammen. Denn Glaubenssätze wie "Frauen die sich aufregen, sind hysterisch" oder "Alle Frauen wollen von Männern gerettet werden. Auch die einsamen Wölfinnen," S.230 f.) finden nicht nur in der Filmwelt immer noch Anhänger. – Die Autorin berichtet aus der Filmwelt, die Verhaltensmuster lassen sich aber auf fast alle Lebensbereiche übertragen. Ein Bewusstmachen der ausgrenzenden und frauenfeindlichen Strukturen ist ein erster Schritt zur Veränderung.
Dorothee Rensen
rezensiert für den Borromäusverein.
Sorry Tarzan, ich rette mich selbst!
Gesine Cukrowski
Herder (2025)
240 Seiten : Illustrationen
fest geb.