Jenseits von Timbuktu
Immer wieder kehren ihre Gedanken zu jenem Schicksalstag im Juni zurück, an dem ein unbeschwerter Segelausflug in einer schrecklichen Katastrophe endete und Anita zuerst ihren Verlobten und dann auch noch ihre Mutter entriss. Zuerst ist sie wie betäubt,
doch dann findet sie die Geburtsurkunde ihrer bislang unbekannten Schwester in Afrika, die geboren worden ist, als ihre Eltern dort eine Farm mit dem Namen "Timbuktu" betrieben. Anita verfasst einen Roman über die Geschichte ihrer Eltern, der ein sensationeller Erfolg wird und sogar verfilmt werden soll. Als sie einige Tage beim Dreh in Afrika dabei sein kann, eröffnet sich für sie eine völlig neue Welt, die nicht nur mit ihrer Schönheit besticht, sondern auch in Angst und Schrecken versetzt. Wilde Tiere, atemberaubende Sonnenaufgänge, skrupellose Menschenhändler und freundliche Farmbesitzer, das alles hält Anita in Atem, der ihr aber bald stocken sollte, als sich ein Stück des Schleiers, den ihre Eltern stets über ihre Erinnerungen an Timbuktu gewahrt haben, lüftet. In satten Farben und bildreicher Sprache entfaltet die Autorin eine Vorstellung von Afrika, in der die Leser Seite um Seite mit der Protagonistin staunend wandern. Gespannt machen sie sich auf den Weg, das Familiengeheimnis zu erkunden und erfahren dabei ebenso von den schönen wie auch schrecklich brutalen Ereignissen und Lebensumständen in Afrika. Leider gerät die Geschichte häufig gefährlich nah an Kitsch, was durch manch aktionsgeladene Episode immer wieder abgelenkt wird, jedoch insgesamt den Eindruck einer schwarz-weiß-Malerei nicht gänzlich vertreiben kann. Dennoch ein leicht zu lesendes, facettenreiches Buch zum Wegträumen auf den schwarzen Kontinent.
Sonja Schmid
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Jenseits von Timbuktu
Stefanie Gercke
Heyne (2011)
762 S.
fest geb.