Das Mädchen mit dem Stahlkorsett
Fast freut sich Finley schon auf den Moment, wenn ihr neuer, schmieriger Arbeitgeber ihr gegenüber, dem neuen Dienstmädchen, zudringlich wird. Denn Finley verfügt über eine außergewöhnliche Stärke, mit der sie auch gerne einmal Nachts in London
auf Verbrecherjagd geht. Doch all das ändert sich, als sie eines Tages auf Griffin und seine Freunde Sam und Emily trifft. Auch sie verfügen über besondere Fähigkeiten und nehmen Finley nicht nur bei sich auf, sondern können ihr endlich die, wenn auch erschreckende Erklärung bieten, warum sie diese Kraft besitzt. Aber bevor sie lange mit ihrem Schicksal hadern kann, überschlagen sich bereits die Ereignisse: Nicht nur wird ihre Kraft immer stärker und muss dringend unter Kontrolle gebracht werden, genauso wie ihre Gefühle für Griffin oder Sam oder Jack, sondern die Truppe um Griffin stößt auf eine perfide Verschwörung, in der die Queen Victoria ausgeschaltet werden soll. - Packend, ungewöhnlich und temporeich reißt Kady Cross den Leser mit dem ersten Satz mit ins Steampunk-London Ende des 19. Jh. Doch während zu Beginn Finley noch einen selbstbewussten, erstaunlich frischen Charakter besitzt, wird sie von typischen Klischees rasch eingeholt und verkümmert zur Angebeteten zwischen mehreren Männern. Auch die anderen Figuren können kaum überzeugen, so bleibt etwa Griffin ein farbloser Gutmensch, während Sams Charakter der Handlung einen letztlich vorhersehbaren Verlauf gibt. Obwohl manche ausführlichen Einschübe über die Vergangenheit der Freunde den Lesefluss hemmen, gelingt Cross jedoch weithin ein spannender Schreibstil, der über so manches Manko hinwegtrösten kann. Spannendes Lesefutter! (Übers.: Jürgen Langowski)
Sonja Schmid
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Das Mädchen mit dem Stahlkorsett
Kady Cross
Heyne (2011)
368 S. : Kt.
fest geb.