Kant und der sechste Winter
Hauptkommissar Kant, Leiter der Mordkommission München, seit 12 Jahren getrennt von seiner Frau lebend, will sich an Weihnachten eigentlich um seine 16-jährige Tochter Frieda kümmern. Doch am Abend des zweiten Weihnachtsfeiertags wird er zu einem
Tatort im Münchner Ortsteil Obermenzing gerufen. Der junge Anwalt Benedikt Spicher liegt tot im Schnee. Es sieht so aus, als wäre er auf vereister Fahrbahn überfahren worden. Aber da gibt es eine Anwohnerin, die gesehen hat, wie der Fahrer des Unfallwagens ausstieg, den am Boden liegenden Mann würgte und flüchtete. Kant und sein Team der Münchner Mordkommission nehmen die Ermittlungen auf. Die Spuren führen das Ermittlerteam aus München in das kleine Dorf Schelfing beim Ammersee, dem Heimatort von Benedikt Spicher. Der Anwalt vertrat dort einen Mandanten, der gegen den Bebauungsplan der Gemeinde klagte... - In Marcel Häußlers Debutroman geht es neben der Tätersuche hauptsächlich um die Themen Schuld und Rache. Der Autor versteht es unaufgeregt und mit der richtigen Wortwahl Milieu-Beobachtung, Seelenpanoramen und spannungsreiche Dramaturgie gut miteinander zu verbinden. Temporeich, einfühlsam und mit gut gezeichneten Figuren, aber nicht ganz frei von Klischees, konfrontiert er seine Leser/innen rücksichtslos mit den negativen Seiten der nur scheinbar so heilen Welt des kleinen Dorfes. Die unterhaltsame Mischung aus Charakterstudie und Gesellschaftspanorama ist allen Büchereien sehr empfohlen.
Günther Freund
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Kant und der sechste Winter
Marcel Häußler
Wilhelm Heyne Verlag (2021)
317 Seiten
kt.