Die Psychiaterin
In gewohnt meisterhaft-schnellem Erzähltempo und mit den genretypischen Zutaten eines Psychothrillers baut Freida McFadden in der Story einen effektvollen Spannungsbogen auf. Da ist ein kammerspielähnliches, fast klaustrophobisches Setting des alten
Herrenhauses, das abgeschieden auf dem Land liegt und ursprünglich Dr. Adrienne Hale gehörte. Da ist mit Tricia und Ethan ein junges Ehepaar, das das Anwesen der vor Jahren verschwundenen Psychiaterin während eines Schneesturms besichtigt und in dem Haus eingeschlossen wird. Doch sind sie auch allein? Ist dies wirklich für beide das Traumhaus, das sie kaufen wollen? Und können sie einander überhaupt vertrauen? Getragen wird das Buch weniger durch gewaltvolle Action. Es ist vielmehr das im klaren Stil und kurzen Kapiteln kontrolliert entfaltete Unbehagen zwischen den Figuren, das die Lektüre prägt. Stark ist die Atmosphäre der unterschwelligen Unruhe und wiederholten Täuschungen gerade in den Beziehungen, die von Vertrauen getragen werden sollen – zwischen dem Ehemann und der Ehefrau, der Ärztin und den von ihr Behandelten. Die von Tricia in einem geheimen Raum gefundenen Tonaufnahmen, auf denen die Therapiesitzungen von Dr. Hale und ihren PatientInnen festgehalten sind, liefern in Rückblenden einige Verdachtsmomente für das bis heute ungeklärte Verschwinden der renommierten Fachärztin. Sie erweisen sich allesamt als falsch gelegte Fährten, denn die auf den letzten Seiten eingeflochtenen Wendungen und verblüffende Handlungstwists gehören inzwischen zum Markenzeichen der amerikanischen Erfolgsautorin.
Slávka Rude-Porubská
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Die Psychiaterin
Freida McFadden ; aus dem Amerikanischen von Frank Dabrock
Wilhelm Heyne Verlag (2026)
400 Seiten
kt.