Schiffsdiebe
Nailers Alltag dreht sich jeden Tag ums Überleben: Lebensgefährlich kann ein falscher Schritt sein, wenn er in aufgelaufenen Schiffwracks nach Metall sucht. Lebensgefährlich ist es aber auch zu Hause für ihn: Nach dem Tod seiner Mutter verfiel
sein Vater dem Alkohol, und ein falsches Wort von Nailer kann unweigerlich zu heftigen Prügeln führen. Wie gut, dass er in der "Leichten Kolonie", in der er für einen ausbeuterischen Unternehmer arbeitet, gute Freunde gefunden hat. Doch gerade Freundschaft und Vertrauen bringen Nailer eines Tages in eine verzwickte Situation: Er und seine Kameradin Pima, finden bei einem Streifzug an der Küste einen Klipper - ein Fund, der für die armen Jugendlichen eine wahre Goldgrube sein könnte. Doch dann entdecken sie darin auch noch ein Mädchen, die Erbin eines reichen Unternehmers. Reichtum oder Menschlichkeit? Nailer steht vor einem wahren Dilemma, das ein aufregendes Abenteuer nach sich zieht ... - In harschem Ton führt der Autor in eine ungeschönt beschriebene, zukünftige Welt, die nach Einsetzen der Klimaerwärmung stets von Naturkatastrophen bedroht ist, in der Ressourcen knapp sind und die Kluft zwischen Arm und Reich enorm ist. Bacigalupi flößt dieser düsteren Dystopie jedoch auch einen Funken Hoffnung ein: Freundschaft, Loyalität und Familie bestimmen die Sehnsucht und das Handeln des Protagonisten. Dabei sind die Figuren durchweg plastisch gestaltet, agieren nachvollziehbar und sind vor allem weder eindeutig gut, noch durchwegs böse. Spannend werden Themen wie Habgier, Verrat, Freundschaft und Treue in ein packendes Abenteuer verwandelt. Ein erschreckend realistisches, düsteres Szenario, das jedoch vor allem junge männliche Leser zum Nachdenken und gebanntem Lesen bringen wird. (Übers.: Hannes Riffel)
Sonja Schmid
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Schiffsdiebe
Paolo Bacigalupi
Heyne (2012)
349 S.
kt.