I still care
Die Krankenschwester und Pflegeaktivistin schildert eindrücklich, wie sie an den durchaus auch selbstverantworteten Herausforderungen als Krankenschwester, Ehefrau und Mutter zweier Kinder und ihren vielfältigen Aktivitäten auf Instagram, in den
Medien und als Autorin langsam, aber sicher zugrunde geht. Und wie mühsam die Erkenntnis vom eigenen physischen und psychischen Absturz wird, wenn gleichzeitig Fans und Follower wie eine Droge süchtig machen, andererseits aber auch die Schattenseiten des Medienruhmes, Aggressionen und Hatespeech, zu Verfolgungswahn und Angststörungen führen. Schon als Dorfkind in einer sehr streng religiös geprägten Familie empfindet die Autorin sich deswegen als "nicht normal", übernimmt allerdings gern den heimlichen Berufswunsch der Mutter, Krankenschwester zu werden. Mit Engagement und Hingabe arbeitet sie viele Jahre zunächst als Intensivschwester, wechselt dann mit ersten Anzeichen von burn-out in die Anästhesie und ist zusätzlich täglich auf Instagram unterwegs, um über die Missstände in der Pflege aufzuklären. Die öffentliche Aufmerksamkeit und Dankbarkeit, die den Pflegenden in der Coronazeit entgegengebracht wird, lässt sie hoffen auf Besserung der immer prekärer werdenden Lage. Die Enttäuschung über die nahtlose Rückkehr zum "business as usual", nachdem die Krise überstanden ist, trägt dann zum Zusammenbruch bei. Lange sträubt sie sich und ignoriert warnende Stimmen aus Familie und Freundeskreis, Panikattacken und Schlafstörungen, bis sie sich eingestehen muss, dass auch Pflegende Hilfe annehmen können müssen. Nach dem Spiegelbestseller "I'm a Nurse" ein sehr persönliches, selbstkritisches Buch der Autorin auf dem Weg zu sich selbst. Überall einsetzbar, informativ und gut lesbar.
Elisabeth Bachthaler
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
I still care
Franziska Böhler, Marie-Sophie Müller
Wilhelm Heyne Verlag (2024)
253 Seiten
kt.