Gott bewahre
Gott ist stinksauer, denn seine Botschaft "Seid lieb" wird auf der Erde wieder einmal extrem missachtet. Nachdem er sich einen Angelurlaub gegönnt hat, stellt er bei der Rückkehr fest, dass die Welt in der Zwischenzeit den Bach runtergegangen ist.
Die Menschen sind auf dem besten Weg, sich selbst zu zerstören. Nun schickt Gott erneut seinen Sohn Jesus Christus, der im Himmel mit Jimi Hendrix Gitarre spielt, Marihuana raucht und mit dem Teufel diniert, auf die Erde. Dort schließt er sich zunächst einer Rockband an. Er hilft Drogenabhängigen, Gescheiterten und Obdachlosen, erreicht aber nicht sehr viele Menschen. Erst als er an einer Castingshow teilnimmt, bekommt seine Mission Aufwind. Er kommt in die Endrunde und bringt dabei seine Thesen unters Volk. Jesus wird zu einer Berühmtheit und mit den Millionen, die er dadurch verdient, kauft er ein Stück Land in Texas und baut gemeinsam mit seiner Clique eine Ranch auf, wo sie autark und umweltfreundlich leben und auf Zulauf von Gleichgesinnten hoffen. Doch ein einflussreicher puritanischer Pastor macht mobil gegen die harmlosen Kommunarden und das Ganze endet in einem großen Desaster. - In seinem neuen, überaus schrägen Roman prangert der Schotte John Niven ("Kill your Friends", "Coma") soziales Ungleichgewicht, die Allmacht des Geldes und fehlende Liebe auf der Welt an. Dies macht er auf originelle, kurzweilige und amüsante Weise, aber mit äußerst derbem und obszönem Vokabular. Auch Gott und Jesus lässt er in einer schlüpfrigen Gossensprache reden. Daneben übt er heftige Kritik an den Religionen und kirchlichen Institutionen, über die er sich auch lustig macht, insbesondere über die katholische Kirche und den Papst. Auch unter dem Deckmantel der Satire ist das überzogen und verletzt die religiösen Gefühle vieler Menschen. Darum ungeeignet für Büchereien. (Übers.: Stephan Glietsch und Jörn Ingwersen)
Günther Freund
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Gott bewahre
John Niven
Heyne (2011)
400 S.
fest geb.