Die Töchter des Bärenjägers
Die sieben Töchter des Bärenjägers bewundern ihren Vater maßlos. Er hält seine Familie von allen Behörden fern, die Töchter schickt er nicht in die Schule. Für ihre fromme Mutter; die die Landwirtschaft der Familie allein am Laufen halten muss,
haben die Töchter nur Verachtung übrig. Als die Mädchen im Alter zwischen 12 und 20 Jahren Vollwaisen werden, kehren sie der Zivilisation vollends den Rücken und siedeln sich tief im Wald an. Mit Jagen, Fischen und Fellverkauf können sie mehr schlecht als recht in der kargen finnischen Wildnis überleben. Die verwilderten Mädchen vergnügen sich mit Schlammschlachten, Schießübungen und Sauforgien. Die große Schwester Johanna sieht es als ihre Aufgabe an, das Erbe ihres Vaters, oder wie sie sagt, des „Stammes“, weiterzugeben und versucht mit harter Hand, die Schwestern auf Linie zu bringen. Insbesondere die jüngeren leiden unter Johannas herrischen Art. - Anneli Jordahl hat den Roman „Sieben Brüder“ (deutsche Neuübersetzung zuletzt 2014) des finnischen Nationalautors Aleksis Kivi von 1870 in unsere Zeit übertragen und aus den Brüdern Schwestern gemacht. Die Erzählweise ist komplex. Die Außenperspektive wird von einer Heimatforscherin eingenommen, die die Schwestern beobachtet und ihre Geschichte niederschreibt. Dazwischen schwirren die Stimmen aller sieben Schwestern durcheinander, sodass ein viel facettiertes Bild der Schwesternschar entsteht. Die Schwedin Jordahl kennt sich bestens mit der finnischen Erzähltradition aus und setzt die typisch derbe, lakonische Sprache, Galgenhumor, Ironie und drastische Darstellungen gekonnt ein. Im Gegensatz zum Vorbild wird nicht moralisiert, sondern die Schwestern dürfen unangepasst bleiben. Das Buch stand 2022 für den renommierten Augustpreis auf der Shortlist. Ein außergewöhnliches, zugleich unterhaltsames wie ergreifendes Leseerlebnis über das Leben am Rande der Gesellschaft.
Maria Holgersson
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Töchter des Bärenjägers
Anneli Jordahl ; aus dem Schwedischen von Nina Hoyer
Hoffmann und Campe (2023)
393 Seiten
fest geb.