In den Wind geflüstert

Chorleiterin Kata fährt in ihrem schönsten Kleid auf dem Weg zum Konzert auf dem Fahrrad durch Valeyri. So wie sie die Häuser passiert, klappt der Autor diese gewissermaßen auf und lässt den Leser einen Blick auf das Leben der Bewohner werfen. In den Wind geflüstert Es sind Momentaufnahmen, die meistens Bezug auf die Vergangenheit nehmen, auf Kindheit und Jugend, auf das Berufsleben und nicht zuletzt auf die Folgen der schweren isländischen Bankenkrise. Kauzige Typen stehen neben "Heimkehrern", die aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr in der Hauptstadt leben wollen. Aus den isolierten Episoden entsteht ein Bild einer Gesellschaft im Wandel, die sich nach einer Wirtschaftsseifenblase und einem weiter zurückliegenden Heringsboom umorientiert. - Originell, aber teilweise auch verwirrend ist die gewählte Erzählstruktur. Die Vielzahl der auftretenden Personen und die Schreibeigenart, erst in den späteren Zeilen der einzelnen Kapitel den mit "sie" oder "er" Bezeichneten einen Namen zu geben, verunsichert den Leser des Öfteren. Vor allem dauert es eine Weile, bis er erkennen kann, ob der gleiche Name für ein und dieselbe Person steht, werden sie doch immer in unterschiedlichem Kontext erwähnt. Am Ende der Lektüre ist das (allerdings sehr diffuse) Bild der sozialen Gefüge eines Dorfes entstanden, als läge der mehrfach beschriebene Nachmittagsnebel darüber. (Übers.: Tina Flecken)

Pauline Lindner

Pauline Lindner

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

In den Wind geflüstert

In den Wind geflüstert

Gudmundur Andri Thorsson
Hoffmann und Campe (2014)

174 S.
fest geb.

MedienNr.: 408074
ISBN 978-3-455-40334-3
9783455403343
ca. 18,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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