Das Echo der Zeit

Die zunehmend ertaubende Ich-Erzählerin Evie Steppmann sitzt in der Mansarde ihres Vaters in Schottland zwischen allerlei Erinnerungsstücken und versucht, "die Echos ihrer Kindheit in Lagos" auszumachen, um sie aufzuschreiben, bevor sie verloren Das Echo der Zeit gehen. Sie beginnt mit den ersten Geräuschen, die sie als Fötus im Mutterleib wahrgenommen hat. Mit der Zeit werden die Geräusche der Vergangenheit immer schriller und verworrener und Evie versucht, die Gleichzeitigkeit der Erinnerungen durch ein neues Ordnungsprinzip in den Griff zu bekommen: alles, "Erzählungen, Lebensbeschreibungen, Städte, Ungeheuer, wird den Weg über die Mansarde nehmen". Und dieses Verfahren wendet der Autor auch als Erzählprinzip an, um den Roman zu strukturieren. Jedes Kapitel beginnt mit einem "Echo der Vergangenheit", das eine Assoziation und einen Schreibimpuls auslöst, dem dann eine plastisch erzählte Geschichte folgt. Zum Beispiel aus Evies Kindheit, die sie mit ihrem Vater in Nigeria bis zur Unabhängigkeit von der britischen Herrschaft 1961 verbracht hatte. Sie schreibt auch aus Tagebüchern (ihrer Mutter, ihrer Geliebten) ab und montiert Briefe mit ein. Dadurch entsteht eine Stimmenmixtur mit großer Suggestionskraft. - Der in hohem Maße selbstreflexive Erzählstil macht es dem Leser nicht gerade leicht, der komplexen Geschichte zu folgen. Luke Williams' (Jg. 1977) Romandebüt wurde mit dem Scottish First Book Award ausgezeichnet und ist für den größten schottischen Literaturpreis, den Scottish Book Award 2012, nominiert. - Eine durchaus lohnende Lektüre, aber eher für größere Bestände geeignet. (Übers.: Eike Schönfeld)

Karin Blank

Karin Blank

rezensiert für den Borromäusverein.

Das Echo der Zeit

Das Echo der Zeit

Luke Williams
Hoffmann und Campe (2012)

477 S.
fest geb.

MedienNr.: 366317
ISBN 978-3-455-40373-2
9783455403732
ca. 24,99 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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