Späte Einsichten
Pete und seine jüdische Ehefrau Julia verlassen ihre Wahlheimat Frankreich und damit ein Leben in Wohlstand und Zerstreuung. Pete sieht dem Risiko, dem Julia wegen ihrer Herkunft ausgesetzt ist, ins Auge und setzt alles daran, von Lissabon aus in
die USA überzusetzen, um einer Katastrophe zu entgehen, wohingegen Julia selbst vor der Gefahr die Augen verschließt und psychische Spielchen betreibt, um nur ja nicht europäischen Boden verlassen zu müssen. Die Gründe hierfür bleiben bis zu den letzten Seiten nebulös und lösen sich erst in der Verflechtung mit dem Künstlerehepaar Iris und Edward auf, deren Geschicke sich auf ungewöhnliche Weise kreuzen. Zunächst scheinen sich die beiden Paare nur zu treffen, um die Wartezeit zur Ausreise zu überbrücken. Es entwickelt sich jedoch eine leidenschaftliche Liaison zwischen den beiden Männern, die den Leser ebenso überrascht wie Pete. Die Rolle der Frauen gibt Rätsel auf, die sich im Fortgang des Romans lösen und Vergangenheit und Status aller vier Beteiligter ans Licht bringen. -Leavitt schreibt schnörkellos und in einfacher Prosa, was den unerhörten Ereignissen eine ganz eigene Bedeutung verleiht. Eine ungewöhnliche Annäherung an das Schicksal Verfolgter zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs. (Übers.: Georg Deggerich)
Späte Einsichten
David Leavitt
Hoffmann und Campe (2015)
302 S.
fest geb.