Als Hemingway mich liebte
Sie könnten nicht unterschiedlicher sein, die vier Frauen, mit denen Ernest Hemingway die Ehe einging. Die erste, Hadley, ein eher häuslicher Typ, hielt bis zuletzt Kontakt mit ihren Nachfolgerinnen. Ihren Platz - auch im Herzen des Schriftstellers
- nahm schon nach wenigen Jahren Pauline (Fife) ein, eine begüterte junge Frau aus dem Mittelwesten, mit der Hemingway das Anwesen in Key West bewohnte. Während der Kriegsberichterstattung in Spanien lernt er seine Berufskollegin Martha Gellhorn kennen, eine sehr entschiedene, ihren Beruf über alles stellende Frau. Wohl deswegen hielt die Verbindung auch nur vier Jahre. Dagegen blieb Mary West, Ehefrau Nummer vier, bis zu seinem Tod mit Hemingway verheiratet. Sie hatte wohl am meisten unter seiner - alkoholbedingten - Persönlichkeitsveränderung zu leiden. Glaubt man der Autorin, die sich ihrerseits auf schriftliche Zeugnisse der Ehefrauen stützt, war Hemingway schnell entflammbar, für Dinge wie für Frauen und nicht zuletzt für alkoholische Getränke und ein bohemienhaftes, extrovertiertes Leben. Er litt offenbar über eine längere Lebensphase an depressiven Symptomen, nahm aber nicht wahr, welche seelischen Leiden er seiner jeweiligen Ehefrau zufügte. - Der Roman gliedert sich in vier Blöcke, für jede Ehe einen. Deren Verlauf wird retrospektiv dargestellt. In der Phase des Zerbrechens erinnern sich die Frauen an die Anfänge, aber auch wie die jeweilige Nachfolgerin in ihr Leben trat. Der Leser entdeckt schnell die gemeinsame Grundstruktur im Verhalten des Nobelpreisträgers, lernt aber auch viele Facetten seines beruflichen Werdegangs und seiner Arbeitsweise kennen. Das Buch ist eine abrundende Lektüre für Leser seiner Werke. (Übers.: Gerlinde Schermer-Rauwolf und Robert A. Weiß)
Pauline Lindner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Als Hemingway mich liebte
Naomi Wood
Hoffmann und Campe (2016)
366 S.
fest geb.