Gesang für einen aufziehenden Sturm
Ein ferner Stoff, zeitlich wie geographisch: Kambodscha, kurz vor den ersten freien Wahlen nach langer kolonialistischer Fremdbeherrschung. Oppositionelle im Untergrund (die späteren Roten Khmer), Vertreter des alten Regimes, dazwischen Diplomaten
aus vielen Ländern, im Zentrum drei Personen, die sich vielfach umeinander drehen und ineinander verkeilen, politisch, philosophisch, erotisch: Sar, der sich später Pol Pot nannte, Sary, sein Widersacher, später Vertreter der Opposition, und Somaly, Schönheitskönigin mit blauem Blut, begehrt von beiden. Der schwedische Autor Peter Fröberg Idling lässt in seinem Debütroman kaum eine Gelegenheit aus, seinen Figuren auf den Zahn zu fühlen; dezent und dennoch durchdringend gelingt es ihm, die Konstellation dieser Ménage-à-trois so spannend zu machen, dass der Leser bisweilen glauben mag, ein Tagebuch über Macht und Ohnmacht der Gefühle, über bewaffneten Widerstand und Friedenssehnsucht, über Religion und Politik zu lesen. Und das ist der Roman tatsächlich, allein schon in der Struktur: Erzählt wird in kurzen Kapiteln von den Tagen vom 20.8. bis zum 21.9.1955, verteilt auf die drei Hauptfiguren. Etwas mühsam zu lesen ist nur der erste Teil über Sar (in der ungewöhnlichen Du-Perspektive geschrieben). Lesenswert. (Übers.: Verena Reichel)
Michael Braun
rezensiert für den Borromäusverein.
Gesang für einen aufziehenden Sturm
Peter Fröberg Idling
Insel-Verl. (2015)
379 S.
fest geb.