Der Schneekimono
Der pensionierte Kommissar Auguste Jovert lebt zurückgezogen in seiner Pariser Wohnung. Er erhält eines Tages einen Brief mit dem Foto einer jungen Frau, die behauptet, seine Tochter zu sein. Zunächst reagiert er nicht darauf, aber dann wird er
im Treppenhaus von seinem Nachbarn Professor Tadashi Omura abgefangen. Der freundliche ältere Japaner beginnt Jovert seine Geschichte und die Geschichte seines Freundes Katsuo Ikeda zu erzählen. In der dramatischen Lebensgeschichte Ikedas, der in einem Schneesturm seine große Liebe und sein ungeborenes Kind verliert, erkennt Jovert immer mehr auch Parallelen zu seinem eigenen Leben und so wird er von seiner Vergangenheit eingeholt. - Der feinsinnige Roman gleicht einer japanischen Teezeremonie. Ohne Hast und mit großem Einfühlungsvermögen erzählt der Autor die Lebensgeschichten der beiden Protagonisten. Für dieses Buch braucht man viel Zeit und einen freien Kopf, denn die Geschichte spielt in vielen unterschiedlichen Zeitebenen, die nicht chronologisch sind. Man muss sich tief in das Geschehen hineindenken, aber man wird dafür mit einem poetischen Roman belohnt. (Übers.: Ursula Gräfe)
Stefanie Simon
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Der Schneekimono
Mark Henshaw
Insel-Verl. (2016)
381 S.
fest geb.