Weit weg ist anders
Edith Scholz, eine resolute Berlinerin und die gleichaltrige Christel Jacobi aus Husum lernen sich bei einem Reha-Aufenthalt auf Usedom kennen. Eigentlich haben die beiden 70-jährigen Damen nicht so recht etwas miteinander gemein. Edith ist direkt,
eigensinnig und am liebsten für sich alleine mit interessanter Lektüre. Christel hingegen ist ein bisschen esoterisch angehaucht, handarbeitet gern und trauert auch noch nach zwanzig Jahren ihrem Ex-Mann hinterher. Warum und wieso sich die beiden alten Damen noch mal auf eine Reise quer durch Deutschland machen, was sie dabei erleben und wie sie trotz aller Gegensätze miteinander auskommen, das erzählt die Autorin sehr einfühlsam, ohne je sentimental zu werden. Gebrechlichkeit, Vergesslichkeit und alle anderen lästigen Einschränkungen, die Alter und Krankheit so mit sich bringen, werden nicht ausgespart. Selbstbestimmung trotz alledem ist das Motto, das sich durch das ganze Buch zieht. Ein unterhaltsamer Roman ohne süßliches Happyend, der für den breiten Einsatz empfohlen werden kann.
Marion Sedelmayer
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Weit weg ist anders
Sarah Schmidt
Insel-Verl. (2017)
Insel-Taschenbuch ; 4556
261 S.
kt.