Der Morgen nach dem Regen
Johanna war lange als UNO-Mitarbeiterin in verschiedenen Kriegsgebieten im Einsatz. Als sie das Haus ihrer Tante erbt, beschließt sie, es zu renovieren und dort einzuziehen. Dann erleidet ihre erwachsene Tochter Elsa, eine erfolgreiche Anwältin,
einen Zusammenbruch und kommt ebenfalls in das Haus, um sich dort zu erholen. Das seit Jahren sehr angespannte Verhältnis zwischen Johanna und Elsa bessert sich erst, als die beiden Frauen beginnen, ganz offen und ehrlich miteinander zu sprechen. Viele Geheimnisse treten zu Tage und am Ende steht ein Neuanfang. Die Kapitel sind abwechselnd aus der Sicht der Mutter und der Tochter geschrieben, sodass der Leser bzw. die Leserin Mitgefühl und Verständnis für beide Parteien empfindet. Auch wenn die Rückblenden teilweise in Krisenregionen spielen und ganz nebenbei die politischen Hintergründe erläutert werden, so stehen doch die "inneren Kriege", also das Wechselspiel der Emotionen im Vordergrund. Man könnte das Buch als klassische Frauenliteratur kategorisieren, die leicht zu lesen ist und bei der natürlich auch die große romantische Liebe nicht fehlen darf. Manchmal trägt die Autorin dabei etwas zu dick auf und das Genre kippt von Beziehungsroman fast in Richtung Liebesroman. Trotzdem regt die Geschichte dazu an, über Missverständnisse in Beziehungen, über verpasste Gelegenheiten, weitreichende Entscheidungen und das Verhältnis zwischen Beruf und Familie nachzudenken.
Franziska Knogl
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Der Morgen nach dem Regen
Melanie Levensohn
Insel Verlag (2024)
431 Seiten
fest geb.