Das Bildnis des Oscar Wilde
Leben und Werk Oscar Wildes (1854-1900) sind in zahllosen Publikationen und Adaptionen hinreichend dokumentiert. Hier thematisiert der Theaterwissenschaftler (geb. 1980) die letzten fünf Jahre des einst wegen seiner Sprachgewandtheit frenetisch gefeierten
irischen Autors zahlreicher Erzählungen, Bonmots, Theaterstücke und des Romans "Das Bildnis des Dorian Gray". Nach der erfolgreichen Premiere seines letzten Theaterstücks "Ernst sein ist alles" geriet Wilde 1895 durch üble Verleumdung wegen seiner Homosexualität in die Mühlen der Justiz. Stein des Anstoßes war die Liebe zu dem viel jüngeren Lord Douglas ("Bosie"). In einem entwürdigenden Schauprozess wurde er aufgrund zweifelhafter Zeugenaussagen zu zwei Jahren Zuchthaus mit Zwangsarbeit verurteilt, was ihm letztendlich Gesundheit und das ganze Leben ruinierte. Wilde lebte danach bis zu seinem Tod unter Pseudonym in Paris. In dieser Zeit distanzierte auch Bosie sich von ihm. Durch den Fokus auf die kurze Zeitspanne und das Genre der erzählerisch freien Romanbiografie kommt auch die unsäglich heuchlerische Prüderie der Viktorianischen Zeit in England verstärkt zur Geltung. Vor diesem Hintergrund und der Tatsache, dass gegenwärtig weltweit sexuell anders orientierte Personengruppen wieder vermehrt Repressionen ausgesetzt sind, empfiehlt sich das spannend geschriebene Buch für einen breiten Leserkreis.
Barbara Riedl
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Das Bildnis des Oscar Wilde
Stephen Alexander
Insel (2025)
253 Seiten
kt.