Gelb, auch ein schöner Gedanke

Die Autorin erzählt abwechselnd aus der Sicht der Mutter Ruth und der Teenager-Tochter Lea, was es bedeutet, über viele Monate hinweg mit dem sterbenden Vater im gleichen Haushalt zu leben. Auch wenn man selbst den Ausnahmezustand mit pflegebedürftigen Gelb, auch ein schöner Gedanke Angehörigen noch nicht erlebt hat, kann man sich durch diesen Roman sehr gut in die verschiedenen Gefühlslagen hineinversetzen. Während Ruth sich immer weiter zurückzieht, selbst nicht mehr am Leben teilnimmt und ihre eigene Gesundheit sowie ihre Tochter vernachlässigt, versucht die 16-jährige Lea ein halbwegs normales Leben zu führen und sich von ihrem sterbenden Vater abzugrenzen. Natürlich entstehen dadurch auch Konflikte zwischen Mutter und Tochter. Ausgelöst durch einen kafkaesk anmutenden Erzählkniff vertauschen sich die Rollen schließlich ungefähr bei der Hälfte des Romans. Diese unrealistische Wendung ist vielleicht nicht jedermanns Geschmack. Was jedoch unbestritten geglückt ist und den Roman so lesenswert macht, ist die poetische, zärtliche und manchmal auch humorvolle Auseinandersetzung mit einem sehr schwierigen Thema.

Franziska Knogl

Franziska Knogl

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Gelb, auch ein schöner Gedanke

Gelb, auch ein schöner Gedanke

Nefeli Kavouras
Kiepenheuer & Witsch (2026)

237 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 624200
ISBN 978-3-462-00870-8
9783462008708
ca. 23,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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