Ein ganz normales Wunder
Seit frühester Kindheit ist Walter Autist und wird von seiner Mutter per Homeschooling unterrichtet. Er verständigt sich, seit er fünf Jahre alt ist, nonverbal mit Hilfe einer Buchstabentafel, die ihn aus seiner Isolation führt. In Vorlesungen
am Community College darf er sie benutzen, um aktiv am Unterricht teilzunehmen und die Prüfungen mitzuschreiben. Nach erfolgreichem Abschluss und dem plötzlichen Tod seines Vaters bringt die Mutter (weil sie Geld verdienen muss) den nunmehr 24-Jährigen in eine Tageseinrichtung „Upward Bound“. Die Betreuer behandeln ihn aber wie ein Kleinkind, was ihn wütend macht. Am Ende kommt es zur Katastrophe: Sein ebenfalls nonverbaler Freund Jorge flüchtet aus der Tagesstätte. Die alarmierte Polizei reagiert auf den panisch reagierenden jungen Mann völlig falsch. Der hinzugezogene Pfleger Carlos, der eine tiefe Bindung zu seinen Klienten hat, will vermitteln. Da er die Polizeiarbeit „behindert“, trifft ihn ein Schuss aus der Dienstwaffe tödlich. Woody Brown zeigt mit seinem von eigenen Erfahrungen inspirierten Roman an mehreren Beispielen, wie und wo Gesellschaft und Behörden autistisches Verhalten nicht richtig deuten (können). Es gilt, den Leser:innen Berührungsängste zu nehmen und Vorurteile abzubauen. Nur so kann echte Empathie und Inklusion z.B. im Schulalltag gelingen.
Berthold Schäffner
rezensiert für den Borromäusverein.
Ein ganz normales Wunder
Woody Brown ; aus dem amerikanischen Englisch von Stephan Kleiner
Kiepenheuer & Witsch (2026)
215 Seiten
fest geb.