Heute für Geld und morgen umsonst
Der emotional bewegende Roman des 1938 in Leipzig geborenen Peter Steinbach erzählt von den Träumen und Sehnsüchten eines Zehnjährigen, der "in dunkler Zeit" aufwächst. Als Sohn eines mit kriegswichtigen Forschungen befassten Bakteriologen stehen
Osvald und seine jüdische Mutter unter besonderem Schutz. Der Lebensraum des fantasiebegabten Jungen beschränkt sich somit auf ein von der Leipziger Vorortsiedlung abgeschirmtes, zwischen Feldern gelegenes Haus. Als er trotz des strikten Verbots "Naziland" betritt, wird er mit Ereignissen konfrontiert, die er aufgrund seiner eingeschränkten Wirklichkeitserfahrung nicht einordnen kann. Wenn Osvald im Spätherbst 1944 aus Sicherheitsgründen in die Obhut des Bäckers Bredno gegeben wird, erfährt er Zuspruch und Ablenkung zugleich. Da die in dem Zusammenhang porträtierten Protagonisten unterschiedlichen sozialen Schichten angehören und politisch differenziert argumentieren, spiegelt der Roman die Stimmung vor dem Ende des Krieges wider. Indem der Autor das Geschehen aus der Sicht des Zehnjährigen betrachtet, wirken die sich wiederholenden Bombenangriffe umso bedrohlicher. Die diesen wie fast allen Szenen innewohnende Suggestivkraft resultiert aus der filmischen Erzählweise Peter Steinbachs, der als Hörspiel- und Drehbuchautor bekannt geworden ist. Sein erster Roman dürfte ebenfalls positive Resonanz finden: geschichtsbewusst und literarisch anspruchsvoll - ein lesenswertes Buch!
Kirsten Sturm
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Heute für Geld und morgen umsonst
Peter Steinbach
Kiepenheuer & Witsch (2012)
239 S.
fest geb.