Lieblingskinder
Eigentlich nervt er ja nur, der Vater von Rosalie. Ständig will er die Welt verbessern und ist irgendwelchen Skandalen auf der Spur. Darüber zerbrach seine Ehe und die erwachsenen Töchter gehen auf Distanz. Eines Tages ist er plötzlich weg, ohne
eine Nachricht zu hinterlassen. Rosalie, eine erfolgreiche Staatsanwältin, macht sich auf Spurensuche im Haus und im Computer des Vaters. Und sie entdeckt reichlich beunruhigende Hinweise, die Schlimmes befürchten lassen. - Traudl Bünger schickt ihre Protagonistin Rosalie nicht nur auf die Suche nach dem Verbleib des Vaters, sondern auch nach dem Zustand der Vater-Tochter-Beziehung. In Rückblenden lässt die junge und etablierte Frau Erinnerungen Revue passieren, lässt auch schmerzliche Eindrücke zu, spürt Emotionen nach. Das wird teils mit einem Augenzwinkern ob der Schrulligkeit des Vaters, teils mit Wut im Bauch ob der Ausgrenzung durch Nachbarschaft und Schulfreunde erzählt. Hinzu kommt eine Liebesgeschichte, die in Kindertagen bereits ihren Anfang nahm und sich nun endlich erfüllt. Das höchst dramatische Ende setzt einen unbefriedigenden Schlusspunkt unter eine Geschichte, die gespickt ist mit Irrwegen, einigen Längen, unnötigen Manierismen, aber mit viel Talent erzählt ist. In größeren Beständen durchaus möglich!
Beate Mainka
rezensiert für den Borromäusverein.
Lieblingskinder
Traudl Bünger
Kiepenheuer & Witsch (2012)
254 S.
fest geb.