Verlangen nach Freundschaft
Jakob hat sich mehrere Monate quer durch die USA treiben lassen und plant, nun nach Hause zurückzukehren. Am Ende mit seinen Dollars und noch ohne Flugticket, sucht Jakob eine Adresse auf, die ihm eine Bekannte gegeben hat. Und tatsächlich trifft
er dort den Grafen Faunus von Harenberg an, Spross einer reichen niederländischen Kolonialistenfamilie, der gerade aus Rom zurückgekehrt ist und sich in New York eine Wohnung einrichten will. Die beiden durchreden eine Nacht, Faunus nimmt Jakob bei sich auf und verschafft ihm einen Job in einem Antiquariat, wo er alte Schriften katalogisiert. Diese Tätigkeit ist ein durchgängiges Motiv des Romans und wird zur Metapher für die Erzähltechnik: Beim Katalogisieren liest man Geschichten kurz an, kann sich aber nicht im ganzen Buch verlieren. So ähnlich geht es Jakob in der pulsierenden Metropole New York: Er lernt verschiedene Leute kennen, hört einen Teil ihrer Lebensgeschichte und zieht weiter. - Ein melancholischer Ton durchzieht die schwebend und sehnsuchtsvoll erzählten Geschichten im dritten Roman des Autors, der Buchhändler war und den Bruckner & Thünker Verlag in Köln/Basel leitete. - Ein intensiver Roman für anspruchsvolle Leser.
Karin Blank
rezensiert für den Borromäusverein.
Verlangen nach Freundschaft
Arnold Thünker
Kiepenheuer & Witsch (2012)
206 S.
fest geb.