Der bleiche König
Auf zwei Besonderheiten muss sich der Leser von David Foster Wallace (1962-2008) einstellen: auf das hin- und herspringende Erzählen dieses "Abschweifungskönigs" und auf ein sezierendes Verhältnis zu den beschriebenen Dingen. "Der bleiche König",
aus den nachgelassenen Manuskripten des Autors als unvollendeter Roman rekonstruiert, lässt sich als Gegenstück zu "Unendlicher Spaß" (1996/2009, BP/mp 10/139) lesen, dem Roman, mit dem der Autor weltweit bekannt wurde. Nicht um eine sich zu Tode amüsierende Welt geht es, sondern um die systemische Langeweile der Postmoderne, die in diesem Falle an keinem besseren Ort hätte angesiedelt werden können als in einer Steuerbehörde in Illinois. Der Arbeit dort, den Dienst- und Pausengesprächen, der Behördenfolklore und dem US-amerikanischen Steuerrecht lauscht Wallace Geschichten ab, die er faszinierend zu vertiefen versteht. Manchmal aber etwas zu Detail verliebt! Das macht die Lektüre nicht einfach. Der aufmerksame Leser wird indes belohnt mit kafkaesken Szenen, bühnenreifen Dialogen (etwa bei einer Mitarbeiterschulung) und ironischen Bezugnahmen des Autors auf sein eigenes Schreiben. - Größeren Beständen empfohlen. (Übers.: Ulrich Blumenbach)
Michael Braun
rezensiert für den Borromäusverein.
Der bleiche König
David Foster Wallace
Kiepenheuer & Witsch (2013)
625 S.
fest geb.