Wir sehen uns am Meer
Chilmi lebt als Maler in New York, Liat verbringt dort ein Studiensemester. Durch Zufall begegnen sie sich. Daraus entwickelt sich eine stürmische, sehr intensive Beziehung. Beide wissen, sie haben nur das halbe Jahr in Amerika. Liat verschweigt die
Beziehung ihren Eltern, auch bei Chilmis Verwandten stößt Liat auf Ressentiments. Trotz allem vertieft sich die Beziehung immer mehr, wohl wissend dass sie an einem fixen Datum endet. Beide kehren in ihre Heimat zurück. Nicht einmal 100 Kilometer Luftlinie trennen sie. Doch es bleiben ihnen nur wenige Telefonate. Durch einen Zufall kann Chilmi illegal nach Israel einreisen ... - Um die enge Beziehung der zwei jungen Menschen gruppiert die Autorin unaufdringlich die Probleme, die das Zusammenleben der zwei benachbarten Völker so erschweren. Viele wechselseitige Vorurteile kommen so zur Sprache, insbesondere auch das Abgeschnittensein der palästinensischen Bevölkerung. Dass Rabinyan einen traurigen Schluss wählt, ist nicht zuletzt der rigiden Haltung vieler Israelis und ihrer Angst, ihrer Heimat beraubt zu werden, geschuldet. Dass das Buch in Israel von der Lektüreliste der Schulen gestrichen wurde, beruht nicht auf der Art der Darstellung, sondern ist der Haltung der regierenden Koalition geschuldet. Für Europäer bietet das Buch interessante Einblicke in privates wie öffentliches Leben beider Völker. (Übers.: Helene Seidler)
Pauline Lindner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Wir sehen uns am Meer
Dorit Rabinyan
Kiepenheuer & Witsch (2016)
378 S.
fest geb.