Richter Gottes

Bereits 2013 veröffentlichte Eva Müller mit "Gott hat hohe Nebenkosten" einen Bestseller. Im aktuellen Buch betrachtet die Journalistin nun die Kirchenjustiz und damit erneut eine streitbare Causa der katholischen Kirche. Zentrales Thema ist der Richter Gottes Umgang der Kirche mit wieder verheirateten Geschiedenen. Wie die Taufe nach dem Austritt aus der Kirche nicht unwirksam wird, lässt sich auch das Eheversprechen vor Gott nicht einfach mit einer Scheidung annullieren. Das Problem ist, dass sich die Lebenswirklichkeit der Katholiken stark gewandelt hat und viele an der Idealvorstellung der katholischen Ehe scheitern. Anhand verschiedener Beispiele beschreibt die Autorin in flüssigem Schreibstil das Wesen der Ehenichtigkeitsverfahren, der einzigen Möglichkeit eine katholische Ehe aufzulösen. Das lange und für die Betroffenen oft sehr belastende Verfahren wird vor Kirchengerichten ausgetragen. Die kirchliche Gerichtsbarkeit wird auch bei anderen Strafprozessen wie den kirchlichen Missbrauchsfällen tätig. Diesem Thema widmet sich Eva Müller in zwei Kapiteln. Zwar sind die Missbrauchsfälle mit den Eheprozessen "nicht zu vergleichen", wie sie schreibt, dennoch wird an diesem Beispiel die Position der Autorin deutlich. Sie steht aufseiten der Betroffenen und steht der Institution Kirche kritisch gegenüber. Dennoch bleibt sie dabei niemals eindimensional und geht auch auf die kirchlichen Standpunkte ein, wobei allerdings die Ehetheologie etwas kurz kommt. Als aktuelles Buch zu einem auch innerkirchlich umstrittenen Thema ab mittleren Beständen einzusetzen.

Sebastian Heuft

Sebastian Heuft

rezensiert für den Borromäusverein.

Richter Gottes

Richter Gottes

Eva Müller
Kiepenheuer & Witsch (2016)

253 S.
kt.

MedienNr.: 587633
ISBN 978-3-462-04948-0
9783462049480
ca. 14,99 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Re
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