Zwischen Ruhm und Ehre liegt die Nacht
Andrea Petkovic, die in Bosnien Herzegowina geborene Tennisspielerin, ist als Kleinkind mit ihren Eltern nach Deutschland ausgewandert. In ihrem Debüt beschreibt sie die Schwierigkeiten eines Migrantenkindes, einerseits den Wunsch, nicht aufzufallen,
andererseits die Sehnsucht, dazuzugehören. Früh entdeckt sie Bücher als Rückzugsmöglichkeit und als Flucht aus dem anstrengenden Alltag. Es ist für die Lektüre hilfreich, wenn man etwas vom Tenniszirkus versteht, nötig ist es nicht. "Und so ist der Mikrokosmos Tennis auch ein Makrokosmos des Lebens" (S. 49), schreibt die junge Autorin (Jahrg. 1987). Ihre Erzählungen drehen sich natürlich um Gewinnen und Verlieren, aber immer auch um die Bedeutung des eigenen Handels. Über die Coming-of-Age Geschichten hinaus, in denen es um den eigenen Platz in der Welt geht, beleuchtet Petkovic ihre Lesebiografie. Sie lässt sich von Philip Roth, David Foster Wallace oder Joan Didion inspirieren, aber auch von Klassikern wie Tolstoi und Bulgakow. - Sie schreibt selbstkritisch, humorvoll und mit erzählerischem Talent über die großen Fragen des Lebens. Wir dürfen auf ihren nächsten Aufschlag gespannt sein.
Susanne Emschermann
rezensiert für den Borromäusverein.
Zwischen Ruhm und Ehre liegt die Nacht
Andrea Petkovic
Kiepenheuer & Witsch (2020)
264 Seiten
fest geb.