Kaffee mit Milch
Agneta hat Lungenkrebs im fortgeschrittenen Stadium. Ihre Kräfte schwinden und der körperliche Verfall ist unübersehbar. Noch hat sie ihrer Tochter Tilda nichts davon erzählt. Agneta fährt aus ihrer nordschwedischen Heimatstadt Gällivare nach
Stockholm, um mit Tilda zu reden. Dort angekommen schiebt Agneta das notwendige Gespräch immer wieder auf. Zuerst will sie, dass ihr belastetes Verhältnis wieder gut wird. Sie schafft es aber nicht, ihren zärtlichen Gefühlen für die Tochter Ausdruck zu verleihen und Tilda geht auf Distanz. Zwischen ihnen schwelen alte Konflikte, die zum Teil mit Tildas heiß geliebter, inzwischen verstorbener Großmutter zu tun haben. Die Tage verstreichen, aber Agneta bringt es nicht übers Herz, Tilda die Wahrheit zu eröffnen. – Dieser kompakte Roman hat es in sich. In drastischen Bildern und mit großem Einfühlungsvermögen zeichnet die Autorin das Bild einer todkranken, liebenden Mutter, die es nicht vermag, zu ihrer scheinbar so starken Tochter durchzudringen. Die Psychologiestudentin Ella-Maria Nutti (*1995) ist in Gällivare in einer Rentierzüchter-Familie geboren. Ein erstaunlich reifes, emotional geladenes Debüt einer sehr jungen Autorin, das zum Nachdenken darüber anregt, was im Leben wirklich wichtig ist. Starke Empfehlung!
Maria Holgersson
rezensiert für den Borromäusverein.
Kaffee mit Milch
Ella-Maria Nutti ; aus dem Schwedischen von Wibke Kuhn
Kindler (2023)
207 Seiten
fest geb.