Hinter dem Nebel
Ingrid Klinga träumt von einer Karriere als Autorin. Ende der 50er-Jahre verlässt sie ihre Heimat Halland in Südschweden und geht zum Studium nach Uppsala. In ihrem neuen Freundeskreis kennen zwei der Studenten Pläne eines geheimen schwedischen
Atomwaffenprogramms. Der Nachrichtendienst bittet Ingrid, ihre Freunde auszuspionieren. Die rätselhafte und schwer greifbare junge Frau willigt ein, bereit, jeden Preis zu bezahlen, um ihren Traum zu verwirklichen. Als Gegenleistung wird ihr daher zugesichert, dass man ein gutes Wort für sie beim Verlag einlegen wird. Die von ihr gelieferten brisanten Informationen tragen zu mehreren Todesfällen bei, die unaufgeklärt bleiben. Jahrzehnte später arbeitet der Schriftsteller Johan Oskarsson an einer Biografie über die alternde, berühmte Autorin. Als Johan 2023 tot aufgefunden wird, macht sein jüngerer Kollege und Freund, der anonyme Ich-Erzähler, weiter. Durch seine Recherchen kommt er der streng gehüteten Wahrheit auf die Spur. – Der vierte Teil der Halland-Krimireihe um den Kriminalkommissar Vidar Jörgensson (der diesmal im Hintergrund bleibt) ist weitaus spannender und komplexer gestaltet als der vorherige Band („Wenn die Nacht endet“, BP/mp 24/964). Geboten wird ein raffiniertes Verwirrspiel, bei dem man sich fragt, wer eigentlich wen ausspioniert und von welchen moralischen Wertvorstellungen die Protagonist:innen geleitet werden. Bis zur überraschenden Wende am Schluss bleibt die Geschichte fesselnd, wenn auch einige Erzählstränge etwas ausschweifen. Seit jungen Jahren steht Christoffer Carlsson in der schwedischen Öffentlichkeit im Rampenlicht, sowohl als prominenter Kriminologe als auch als einer der besten Romanautoren des Landes, nicht nur von Krimis. Sehr gerne empfohlen.
Maria Holgersson
rezensiert für den Borromäusverein.
Hinter dem Nebel
Christoffer Carlsson ; aus dem Schwedischen von Ulla Ackermann
Rowohlt Kindler (2026)
459 Seiten
fest geb.