Böse Freundin
Celia ist 32 Jahre alt, wohnt in Chicago und ist gerade auf dem Weg zur Arbeit, als sich urplötzlich ein Ereignis von vor 21 Jahren in ihre Gedanken drängt. Damals waren sie und ihre beste Freundin Djuna zusammen mit drei Schulkameradinnen der fünften
Klasse auf einem einsamen Waldweg auf dem Weg nach Hause. Bislang erzählte Celia allen, dass Djuna, die an dem Tag spurlos verschwand, in einen braunen Wagen eingestiegen sei. Doch Celia ist überzeugt davon, dass Djuna in ein tiefes Erdloch gefallen ist, dass sie ihre beste Freundin im Stich gelassen hat und die Polizei und Djunas Mutter belogen hat. Celia fliegt in ihre Heimatstadt, befragt ihre Eltern und ihren Bruder zu dem Vorfall und nimmt Kontakt zu den drei Schulfreundinnen auf. Doch alle haben eine andere Erinnerung an das Geschehen. Besonders Leanne, die damals von Celia und Djuna regelrecht tyrannisiert und gedemütigt wurde, hält Celia einen Spiegel vor, der ihr deutlich zeigt, was tatsächlich hinter den urplötzlich auftretenden Schuldgefühlen steckt. - Erschreckend und zugleich glaubwürdig stellt Myla Goldberg dar, wie bösartig die Mädchen miteinander umgegangen sind und große Schuld auf sich geladen haben. Die Verdrängung hat lange funktioniert. Nun wird Celia von ihrer Vergangenheit eingeholt. Ob sie jedoch wirkliche Reue empfindet und Konsequenzen aus erworbenen Erkenntnissen zieht, darf bezweifelt werden. Es scheint vielmehr das Selbstmitleid zu sein, das Celias zukünftiges Leben bestimmen wird. Für psychologisch interessierte Leser gern empfohlen. (Übers.: Martina Tichy)
Birgit Fromme
rezensiert für den Borromäusverein.
Böse Freundin
Myla Goldberg
Kindler (2012)
283 S.
fest geb.